Ein Pilotprojekt der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) unter der Mitwirkung von Glas Trösch hat nun gezeigt, dass die Wiederverwertung ausgesondeter Fenster technisch machbar ist. Zudem konnten wichtige Erkenntnisse auf dem Weg zu einer geschlossenen Recyclingkette gewonnen werden.
Aus 375 Fenstern werden mehrere Tonnen Rohstoff
Unter dem Projektnamen „Windows of Opportunities“ startete Mitte 2025 der Rückbau von insgesamt 375 Fensterflügeln aus einem Wohnhaus in Winterthur. Die demontierten Elemente wurden im Anschluss zu einem nahe gelegenen Glas Trösch-Betrieb verbracht. Dort trennten Monteure die Isolierverglasung sorgfältig von den PVC-Rahmen, die ebenfalls einer Wiederverwertung zugeführt wurden. Im nächsten Schritt übernahm ein spezialisiertes Recyclingunternehmen das Zerkleinern und Säubern der Glasscherben. Da deren Reinheitsgrad für die Floatglasqualität von grosser Bedeutung ist, wurden die Scherben abschliessend analysiert und für gut befunden. Am Ende konnten wenige Wochen nach der Demontage mehr als 2,6 Tonnen Recyclingglas in einem nahe gelegenen Floatglas-Werk der Glas Trösch Gruppe dem Schmelzofen zugeführt werden. In der Summe wurden 1,33 Tonnen CO₂-Äquivalente eingespart.
Das Pilotprojekt dokumentiert erstmals in der Schweiz die gesamte Recyclingkette von Post-Consumer-Isoliergläsern bis zu ihrer Wiederzuführung in die Floatglasproduktion. Der praktische Versuch an einem realen Rückbauobjekt zeigt, dass alle Prozessschritte, von der Demontage, Lagerung, Trennung, Glassortierung, über das Rahmenrecycling bis zur Reinigung und dem Einschmelzen unter den heutigen Bedingungen technisch umsetzbar sind, sofern die Qualitäts-Anforderungen an die Reinheit der Glasscherben strikt eingehalten werden. Da viele Schritte manuell vollzogen wurden, war das zeitliche Investment relativ hoch. Entsprechend gross ist das Potenzial, die Verwertungskette weiter zu optimieren.
Positives Fazit aller Projektbeteiligten
„Beim Flachglasrecycling stehen wir erst am Anfang,“ weiss Michelle Schneider, Projektleiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Konstruktives Entwerfen an der ZHAW. „Von daher war es wichtig mit dem Pilotprojekt aufzuzeigen, dass die Wiederverwertung mit etwas Mehraufwand machbar ist.“ Lars Zimmerli, Mitglied der Gruppenleitung bei Glas Trösch, ergänzt: „Die gesammelten Erfahrungen erleichtern es allen Projektbeteiligten besser einschätzen zu können, wie der Recyclingprozess nicht nur technisch und logistisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll organisiert werden kann.“




